| BWV-Report 64 |
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Informationsbrief für die Freunde und Mitglieder des BWV-Bayern München, 5. Mai 2010 Unfreiheit, Rassismus und Terror auch heute bekämpfen BWV-Bayern zusammen mit vielen Gruppen auf der Gedenkfeier zur Befreiung des KZ Dachau rh. Am Sonntag, 2. Mai 2010, fand auf Einladung des Comité International de Dachau (CID) und mit Unterstützung der Stiftung Bayerische Gedenkstätten die Gedenkfeier zum 65. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau mit zahlreichen Zeitzeugen der schrecklichen Vergangenheit aus aller Welt und in Anwesenheit von Bundespräsident Köhler, seiner Gattin sowie hochrangigen Vertretern aus Gesellschaft und Politik statt. Angeführt vom stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Ernst Raim war der Bund Widerstand und Verfolgung (BWV-Bayern) mit einer mehrköpfigen Delegation bei den Feierlichkeiten vertreten und legte zum Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur einen Kranz nieder. Unser Ehrenvorsitzender Dr. h.c. Max Mannheimer zeigte sich in seiner Eigenschaft als Vizepräsident der CID und als Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau hoch erfreut, zum ersten mal in ihrer Geschichte den Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland zu den Gedenkfeiern begrüßen zu dürfen. In seiner häufig von Beifall unterbrochenen Rede zum Auftakt der Zeremonie vor der beklemmenden Kulisse des einstigen Krematoriums konnte er ranghohe Vertreter von Staat und Religionsgemeinschaften begrüßen, darunter die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Gerda Hasselfeldt, Bayerns stellvertretenden Ministerpräsidenten, Staatsminister Martin Zeil, und den Stiftungsdirektor Bayerischer Gedenkstätten Karl Freller, MdL. Eine besondere Ehre war es für Max Mannheimer, mit den ehemaligen Soldaten der 42. US Rainbow Division, Mr. Lukens und Dr. Fulda, zwei der Befreier des KZ Dachau vom 29. April 1945 vorstellen zu dürfen. Vorher hatte diese Division unter hohen Verlusten die so genannte Siegfriedlinie durchstoßen, den Rhein überquert und in Bayern die Städte Schweinfurt, Würzburg, Fürth und Donauwörth eingenommen. Wie Alan Lukens, späterer Botschafter der USA, hernach in seiner bewegenden Rede vor dem internationalen Mahnmal ausführte, verloren auch etliche der GI’s dieser Division ihr Leben, als sie bei der Befreiung des Lagers Dachau von SS-Angehörigen unter Feuer genommen wurden. Neben Bundespräsident Köhler, Martin Zeil, Karl Freller und weiteren Rednern hielt der Präsident des Comité International de Dachau, RA Pieter J. Ph. Dietz de Loos, eine viel beachtete Ansprache, in der er sich in besonderer Weise auch an die vielen polnischen Delegierten wandte. Er berichtete davon, dass sein Vater und einige andere politische Häftlinge deshalb vor der Erschießung bewahrt wurden, weil Befehlsempfänger Todesurteile gegen Widerstandskämpfer nicht immer ausgeführt hätten. Mit freudiger Überraschung und als besondere Geste der Verbundenheit der amerikanischen Freunde wurde eine Grußbotschaft von US-Präsident Barack Obama aufgenommen, die Alan Lukes überbrachte und verlas: "Unsere Aufgabe bleibt es, das Vermächtnis der Überlebenden in Ehren zu halten. Menschen in aller Welt müssten gegen Intoleranz und Ungerechtigkeit kämpfen.“ „Nie wieder“ – so lautete daher die Schlussfolgerung der meisten Redner – darf sich dies hier wiederholen; an zu vielen Orten auf dieser Welt, so der Präsident des CID, aber sind Rassismus, Unfreiheit und Terror auch heute anzutreffen. Diese zu bekämpfen sind Auftrag und Erbe der Opfer und ihrer Befreier. ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- BWV-Report 63 München, 6. Februar 2010
MAX MANNHEIMER 90
Heute gratuliert der Bund Widerstand und Verfolgung (BWV-Bayern) seinem Ehrenvorsitzenden, Dr. h.c. Max Mannheimer, zum runden Geburtstag. Am 6. Februar 1920 in der Tschechoslowakei geboren, wurde er 1943 von den Machtorganen des NS-Staates ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo seine gesamte Familie – mit Ausnahme von ihm selbst und seinem jüngeren Bruder – entsprechend dem nationalsozialistischen Programm der Judenvernichtung umgebracht wurde. Im Sommer 1944 wurde er ins KZ Dachau „überstellt“. Im Außenlager Mühldorf musste er Schwerstarbeit in einer Weise leisten, die viele Häftlinge nicht überstanden. Schließlich, am 30. April 1945, kam für Max Mannheimer der Tag der Befreiung: Amerikanische Truppen erreichten die am Westufer des Starnberger Sees nach Süden führende Bahnlinie und mit ihr einen bei Tutzing stehen gebliebenen Güterzug mit Dachauer KZ-Häftlingen, in dem sich Max Mannheimer befand. Niemals, so stand es damals für Max Mannheimer fest, wollte er mehr nach Deutschland kommen. Doch dann lernte er eine junge Münchnerin kennen. Sie (spätere Stadträtin zu Zeiten des Münchner Oberbürgermeisters Hans-Jochen Vogel) war so fest davon überzeugt, dass es mit dem braunen Horror endgültig vorbei sei und die Deutschen nun eine starke Demokratie aufbauen werden, dass Max Mannheimer davon nicht unberührt blieb. Die beiden gründeten in München eine Familie, die heute bis in die Urenkelgeneration reicht. Im Glückwunschschreiben des Bund Widerstand und Verfolgung (BWV-Bayern) e.V. zitiert Vorsitzender Bertold Kamm George Santayana: „Wer sich des Vergangenen nicht erinnert, ist dazu verurteilt, es noch einmal zu erleben.“ Kamm kommentiert, dass dies schon deshalb nicht eintreten werde, da „Überlebende wie Du eine unermüdliche und eindrucksvolle Erinnerungsarbeit leisten. Über unsere Heimat hinaus erfährst Du höchste Anerkennung als Vorsitzender der Internationalen Lagergemeinschaft Dachau. Wir sind tief in Deiner Dankesschuld für diese einmalige, herausragende Arbeit.“
BWV-Report 62 München, 19. November 2009
Max Mannheimer Ehrenvorsitzender des BWV-Bayern – Kamm wieder Vorsitzender, Ritzer neuer Stellvertreter – Zusammenwirken von vier Generationen
Auf seiner Mitgliederversammlung in Tutzing hat der Bund Widerstand und Verfolgung (BWV-Bayern) e.V. einen neuen Vorstand gewählt. Ehrenvorsitzender auf Lebenszeit wurde der bisherige stellvertretende Vorsitzende Dr. h.c. Max Mannheimer, der die Konzentrationslager Auschwitz und Dachau durchlitten hat und Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau ist. Der einstige Landtagsvizepräsident Bertold Kamm wurde zum zweiten Mal in der Vorsitzendenfunktion bestätigt. Sein neuer Stellvertreter ist Dr. Helmut Ritzer, Landtagsvizepräsident bis 2003. Vier Generationen arbeiten im Vorstand zusammen: 67 Jahre jünger als das älteste Vorstandsmitglied ist der 23-Jährige Student der Politikwissenschaft, Markus Wanger. Insgesamt sieht der Vorstand jetzt so aus: Ehrenvorsitzender: Dr. h.c. Max Mannheimer Vorsitzender: Bertold Kamm, Nürnberg Stellv. Vorsitzende: Dr. Ernst Raim, Landsberg/L. Dr. Helmut Ritzer, Erlangen Geschäftsführer: Jürgen Maruhn, Gauting Schatzmeisterin: Manuela Lindl, München Schriftführer: Robert Hagen, Feldkirchen/W. Weitere Vorstandsmitglieder: Altbürgermeister Dr. Ekkehard Knobloch, Gauting (Beisitzer) Jörg Rohde, MdL, Vizepräsident d. Bayer. Landtags Dr. Jörg Skriebeleit, Gedenkstätte Flossenbürg Markus Wanger, München Eva Winkelmeier, München ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------ BWV-Report 61 München, 9. November 2009 20 Jahre Fall der MauerBWV-Bayern dankt den Ostdeutschen
Der Bund Widerstand und Verfolgung (BWV-Bayern) stellt anlässlich des 20. Jahrestags des Mauerfalls fest, dass ein Einfordern von Dankbarkeit der Ostdeutschen gegenüber den Westdeutschen mindestens einseitig sei. Es ist nicht die Schuld der Betroffenen gewesen, dass die einen 44 Jahre unter der sowjetisch gestützten Ulbricht-Honecker-Dikatur leiden mussten, während die anderen durch die drei bedeutendsten westlichen Demokratien die Gelegenheit erhielten, eine freiheitliche Demokratie in Verbindung mit Wohlstand aufzubauen. Umgekehrt haben die Ostdeutschen der ganzen Nation etwas geschenkt, das sich nicht in Milliarden oder Billionen Euro messen oder aufrechnen lässt – die erste gelungene demokratische Revolution in der deutschen Geschichte. ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- BWV-Report 60 München, 23. August 2009 70 Jahre Hitler-Stalin-Pakt OSZE erklärt 23. August zum europaweiten Gedenktag Entschließung des EU-Parlaments zum Gewissen Europas und zum Totalitarismus BWV-Bayern: kombinierte Auseinandersetzung mit NSDAP- und SED-Epoche bestätigt Mit dem Hitler-Stalin-Pakt von 1939 verschafften sich die Nationalsozialisten sowjetische Rückendeckung für den Angriff auf Polen und damit eine wichtige Voraussetzung für die Auslösung des 2. Weltkriegs. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat diesen Tag, den 23. August, zu einem europaweiten Gedenktag für die Opfer beider totalitärer Regime erklärt und Gegenwind vom offiziellen Russland bekommen: „Falsifizierung der Geschichte zum Nachteil der Interessen Russlands“. Lesenswert ist die Entschließung des Europäischen Parlaments vom 2. April 2009 zum Gewissen Europas und zum Totalitarismus*). Dort heißt es bereits: „Das Europäische Parlament ... in der Erwägung, dass es vom Blickwinkel der Opfer aus unwesentlich ist, welches Regime sie aus welchem Grund auch immer ihrer Freiheit beraubte und sie foltern oder ermorden ließ, 1. bekundet seinen Respekt für sämtliche Opfer totalitärer und undemokratischer Regime in Europa und bezeugt seine Hochachtung denjenigen, die gegen Tyrannei und Unterdrückung gekämpft haben; ... 15. fordert die Erklärung des 23. August zum europaweiten Gedenktag an die Opfer aller totalitären und autoritären Regime, der in Würde und unparteiisch begangen werden soll; 16. ist davon überzeugt, dass das letztliche Ziel der Offenlegung und Bewertung der von den totalitären kommunistischen Regimen begangenen Verbrechen in der Wiederaussöhnung besteht, die durch das Eingeständnis von Verantwortung, die Bitte um Vergebung und die Förderung einer moralischen Erneuerung erreicht werden kann; ...“ Diese in klarer Sprache vorgetragene präzise Logik, die offenbar keine absurde Unterteilung in Opfer erster und zweiter Klasse kennt, wäre manches Mal auch deutschen amtlichen Stellen zu wünschen. Immerhin hat das am Anfang noch recht zerbrechliche Pflänzlein einer kombinierten Auseinandersetzung mit der kommunistischen, faschistischen und nationalsozialistischen Vergangenheit, kurzum: der antidemokratischen Epoche in Europa, in den letzten Jahren eine zunehmende Kräftigung erfahren. Der BWV-Bayern darf sich im Rahmen des Dachverbandes, des ZDWV (Zentralverband Demokratischer Widerstandskämpfer- und Verfolgtenorganisationen), durch die jüngsten europäischen Erklärungen und Beschlüsse bestärkt fühlen. ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------- BWV-Report 59
Die Opfer der SBZ/DDR-Diktatur Fachtagung vom 13. bis 15. November 2009 in der Akademie für Politische Bildung, Tutzing Der Titel signalisiert: In der Hauptsache geht es um ein Gegenwartsthema, das es allerdings ohne die so verlaufene deutsche und europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts nicht gäbe. In einem Ausmaß, das seinesgleichen sucht, hat Deutschland beide Hauptformen des Totalitarismus durchgemacht, über den längeren Teil der Strecke sogar in Gegenüberstellung zur westlichen Demokratie im eigenen und dadurch geteilten Lande. Somit mangelt es nicht an Möglichkeiten, aus der Geschichte zu lernen. Dabei geht es auch darum, „die Aufarbeitung des Nationalsozialismus und die Aufarbeitung des Kommunismus nicht isoliert voneinander zu betreiben“, wie es kürzlich der Sächsische Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Michael Beleites, formulierte. In dem Lernprozess der deutschen Gesellschaft haben die Verfolgten der SED-Diktatur noch nicht jene Stellung erreicht, die ihnen gebührt. Dieses Defizit an politischer Kultur abbauen zu helfen, ist der anspruchsvolle Zweck dieser Tagung. Die kooperierenden Veranstalter, Akademie für Politische Bildung und Bund Widerstand und Verfolgung (BWV-Bayern) erarbeiten zur Zeit das Programm, das nach Fertigstellung allen Interessierten (Einzelpersonen, Verbände, Institutionen, Redaktionen) zugeht. Einstweilen geht es vor allem darum, den Termin zur Kenntnis zu bringen. Mitgliederversammlung des BWV-Bayern am Sonntag, den 15. November 2009, 13.00 – maximal 15.00 Uhr im Anschluss an die Tagung in der Akademie für Politische Bildung, Tutzing Hauptpunkte werden der politische Bericht des Vorsitzenden Bertold Kamm und die turnusgemäße Neuwahl des Vorstandes sein. Außerdem werden einige bedeutsame Grußworte erwartet. Die förmliche Einladung mit Vorschlag der Tagesordnung geht allen Mitgliedern fristgemäß zu. Jetzt geht es nur um die Mitteilung des festgelegten Termins: 15. November, 13.00 Uhr, Tutzing/Starnberger See, Akademie für Politische Bildung. ....................................................................................................................................................... München, 25. Juli 2009 Hans-Jürgen Grasemann neuer Vorsitzender des ZDWV
Neuer Vorsitzender des Zentralverbandes Demokratischer Widerstandskämpfer- und Verfolgtenorganisationen (ZDWV) und damit Nachfolger der langjährigen Vorsitzenden, der im März 2008 verstorbenen früheren Bundestagspräsidentin Annemarie Renger, ist der Braunschweiger Oberstaatsanwalt Dr. Hans-Jürgen Grasemann. Der 1946 geborene Hannoveraner war von 1988 bis 1994 Sprecher und stellvertretender Leiter der Zentralen Erfassungsstelle Salzgitter, einer auf Initiative des damaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Willy Brandt, nach dem Bau der Mauer geschaffenen Dienststelle zur Dokumentierung der Verbrechen des SED-Regimes der DDR. Grasemann verfasste zahlreiche Abhandlungen zur deutschen Diktaturvergangenheit von 1933 bis 1989 – darunter bemerkenswerte Portraits von Persönlichkeiten des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus – und ist in ganz Deutschland, nicht zuletzt auch in Bayern, ein gefragter Referent und Gastkommentator zu diesem umfassenden Themenbereich. In diesem Jahr ist er einer der wichtigsten Wortführer des politisch und juristisch fundierten Widerspruchs zu der von der Linkspartei angestrebten Tabuisierung des Begriffs „Unrechtsstaat“, einer durchaus treffenden Charakterisierung der DDR. 1973 promovierte Grasemann an der Universität Göttingen mit dem Thema: „Das Blocksystem und die Nationale Front Verfassungsrecht der DDR“. Er ist seit 1969 Mitglied der SPD, seit 2006 Vorsitzender des Trägervereins der Politischen Bildungsstätte Helmstedt e.V., seit den 90er Jahren häufiger Gastdozent an der renommierten Akademie für Politische Bildung Tutzing und seit 2007 – auf Wunsch von Annemarie Renger – Vorstandsmitglied des ZDWV. Bereits Stunden nach seiner Wahl zum Vorsitzenden erhielt Hans-Jürgen Grasemann telefonische Glückwünsche des Vorsitzenden des BWV-Bayern, des früheren Landtagsvizepräsidenten Bertold Kamm, Nürnberg, der die Wahl Grasemanns zusammen mit dem Vorsitzenden des einflussreichen BDWV NRW, Hans Marquardt, stark favorisiert hatte. |




