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Rede des Vizepräsidentendes CID und Vorsitzenden der Lagergemeinschaft Dachau Dr. Max Mannheimer 2. Mai 2010 Drucken E-Mail

 

Sehr verehrte Anwesende!

Im Namen des Internationalen Dachau Komitees und der Lagergemeinschaft Dachau möchte ich Sie herzlich willkommen heißen. Ganz besonders begrüße ich Herrn Bundespräsidenten Dr. Horst Köhler, welcher der Einladung des Internationalen Dachau Komitees gefolgt ist Er wird am Appellplatz ein Grußwort sprechen.

Ferner begrüße ich die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Gerda Hasselfeldt, den stellvertretenden Ministerpräsidenten des Freistaates Bayern Herrn Staatsminister Martin Zeil, Herrn Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle, den Stiftungsdirektor der Bayerischen Gedenkstätten Dachau / Flossenbürg Karl Freller, den Landrat des Landkreises Dachau Hans-Jörg Christmann, den Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Dachau Peter Bürgel, die Vertreter der Kommunen, die Repräsentanten des diplomatischen Chorps, der Religionsgemeinschaften und der Parteien, insbesondere die ehemaligen Häftlinge Dachaus und der Außenlager, die aus Europa und Übersee angereist sind.

It is a great honour, that two representatives of our liberators, Mr. Lukens and Dr. Fulda, the members of the 42nd Rainbow Division are present.

Besonders begrüße ich die Überlebenden aus Osteuropa, für die es oft das erste Mal ist, dass die wieder nach Dachau kommen. Ein extra Gruß gilt aber auch den Angehörigen der Opfer. Es sind die Frauen und Männer, Kinder oder Enkelkinder, die im Gedenken an ihre Liebsten die Erinnerung wach halten und die so oft die Folgelasten der Haftzeit mittragen müssen. Mögen sie dafür sorgen, dass Ursache und Wirkung dieser verbrecherischen Zeit niemals verfälscht werden.

Wir gedenken der mehr als 40tausend Toten, die in Dachau und den Außenlagern ihr Leben lassen mussten. In wenigen Jahren wird es keinen einzigen Überlebenden Dachaus mehr geben. Das Vermächtnins der ehemaligen Häftlinge und die Hoffnung, dieses düstere Kapitel der 12jährigen Diktatur stets in Erinnerung zu behalten, kann eine Wiederholung der Diktatur in Deutschland verhindern.

Sind 65 Jahre eine lange Zeit? Macht es einen Unterschied, ob fünfzig oder sechzig Jahre vergangen sind seit der Befreiung des KZ Dachau? Die große Anteilnahme an diesem Jahrestag zeigt uns, dass die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus auch heute noch ihre Wirkung nicht verloren hat.

Das Unerklärliche bleibt unerklärlich. Das Unglaubliche ist einfach nicht zu glauben. Aber gerade deshalb sind auch die Überlebenden mitverantwortlich für eine versöhnende Aufarbeitung und eine gemeinsame Zukunftsgestaltung. Die Befreiung liegt für uns nicht im Verdrängen, sondern in der Erinnerung. In einer solchen Erinnerung ist immer auch eine Mahnung enthalten, eine Mahnung zur Entschlossenheit, sich gegen menschenverachtendes Unrecht zur Wehr zu setzen, denn wir können nicht übersehen, dass zur selben Zeit, da wir in Freiheit leben, in anderen Teilen der Erde die Kriege und Menschenrechtsverletzungen weitergehen und viele Opfer fordern. In unseren Tagen ist es nicht mehr das überlegene Auftreten mit Stiefel und Geschrei, sondern es sind die entsetzlichen Bilder und Berichte in den Medien: Hass und Gewalt, Terror und Vernichtung sind in brutaler Weise noch heute unter uns. Wir können und dürfen uns nie daran gewöhnen.

Nur mit dem Wissen um die Wahrheit und dem daraus hervorgehenden Mut lernen junge Menschen, in kritischen Situationen „Nein“ zu sagen und sich gegen Unrecht zu wehren. Als politisch oder rassisch Verfolgte sind wir die Erben der Toten von Dachau. Das Vermächtnis für die kommenden Generationen kann nur lauten: das Andenken an sie aufrecht zu erhalten und für eine demokratische und menschengerechte Welt sich einzusetzen.

Am 29.4.1945 wurden hier Menschen aus vielen Nationen Europas befreit. Für das heutige Europa wünschen wir uns auch eine Befreiung von rechtsextremem oder linksextremem Wahn, von Antisemitismus und Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und jeder menschenverachtenden Ideologie. Ich danke für ihre Aufmerksamkeit.

Der Präsident des CID Pieter Dietz de Loos wird in Anwesenheit des Herrn Bundespräsidenten und dem stellvertretenden Bayerischen Ministerpräsidenten Martin Zeil am Mahnmahl des unbekannten Häftlings einen Kranz niederlegen. Wir begeben uns dann unter Glockengeläut des Karmel Klosters zum Appellplatz.