Sonntag, 30. April

72. Gedenkfeier in Dachau

Der BWV-Bayern nimmt, wie jedes Jahr, an der Kranzniederlegung teil.


Gabriel und Israel

ein kritischer Beitrag



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in FuR 2016 u. a.:

Hans-Jürgen Grasemann
Die Zentrale Erfassungsstelle Salzgitter

Armin Pfahl Traughber
Hat der islamistische Terrorismus etwas mit dem Islam zu tun?

Gerald Wiemers
Das lange Ringen um Anerkennung (22. Halle-Forum)

Bernd Lippmann
Mit Geheimdienstakten zum Abitur

Rede des CID Präsidenten RA Pieter J.Ph. Dietz de Loos, 2. Mai 2010 Drucken E-Mail


Liebe Freunde, liebe ehemalige Häftlinge Dachau und deren Außenkommandos,
sehr geehrter Herr Bundespräsident, sehr geehrte Frau Köhler,
meine Damen, meine Herren,


Ich habe das unermessliche Vergnügen, Sie anläßlich dieses fünfundsechzigsten Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau und dessen Kommandos willkommen zu heißen. Eine Gedenkfeier, die zum ersten Mal in Anwesenheit des Präsidenten der Bundesrepublik Horst Köhler und dessen Gattin stattfindet.

Sehr geehrter Bundespräsident, die Überlebenden des Konzentrationslagers Dachau und dessen Kommandos, deren Familien, die Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte, die religiösen Einrichtungen, die Stiftung Bayerische Gedenkstätten, die Einwohner der Stadt Dachau, die diplomatischen Vertreter und alle diejenigen, die ich nennen konnte, wir alle empfangen Sie mit höchster Achtung und danken Ihnen für Ihr Kommen.

Wir sind glücklich darüber, sechs der sieben Kinder, die im Kommando von Kaufering geboren sind, an unsere Seite zu haben:
Agnes RAPINÉ, Tochter von Ibolya Kovács,
Judit KÁLMÁN, Tochter von Magda Schwarcz,
Prof. George LEGMANN, Sohn von Elisabeth Legmann,
Marika NOVÁKOVÁ, Tochter von Eva Fleischmannová,
Dr. Leslie ROSENTHAL, Sohn von Miriam Rosenthal und
Hana KLEIN, Tochter von Dora Löwy.

Danke dafür, den Mut gehabt zu haben, hierher zum ersten Mal wiederzukommen, die Reise aus Brasilien, Ungarn, aus der Slowakei, Kanada, Israel unternommen zu haben, um heute mit uns zu sein.

Aus der ganzen Welt zu diesem internationalen Treffen gekommen, sind wir hier versammelt, um die ehemaligen Häftlinge zu ehren, die gelitten haben und gestorben sind, sowie diejenigen, die zurückgekommen sind, nachdem sie die Greuel dieser Verhaftung erlitten.

Erlauben Sie mir den Massenmord in Katyn zu erwähnen. Denn mein Vater Dirk de Loos, ein politischer Widerstandskämpfer und „Nacht und Nebel“-Häftling, wurde in Folge der Entdeckung des Leichenhaufens von Katyn nicht erschossen: die Nazis, die dieses Verbrechens beschuldigt wurden, haben manche politische verurteilte Widerstandskämpfer nicht hingerichtet. Persönlich lebe ich, meine Familie lebt wegen der  Ermordung der polnischen Offiziere in Katyn. Ich bin es dem polnischen Volk persönlich schuldig.

Pozwólcie mi Państwo poruszyć kwestię rzeźni katyńskiej. Bowiem mój ojciec, Dirk de Loos, deportowany polityczny bojownik o wolność „Noc i Mgła”, nie został stracony w wyniku odkrycia grobów masowych w Katyniu: naziści, którzy zostali oskarżeni o popełnienie tej zbrodni, nie są tymi, którzy swego czasu dokonali straceń skazanych politycznych bojowników o wolność. Jeśli o mnie chodzi, to moja rodzina i ja zawdzięczamy nasze życie polskim oficerom zamordowanym w Katyniu. Jestem narodowi polskiemu z tego względu ogromnie zobowiązany.

Das Konzentrationslager Dachau wurde durch die amerikanische Armee am 29. April 1945 befreit.
Wir sind durch die amerikanische Vertretung heute besonders geehrt.

Der 29. April 1945 hat den Überlebenden eine physische Freiheit gebracht, das seelische Leiden ist aber geblieben.

Genau so wichtig ist das Datum der Errichtung des Lagers. Am 22. März 1933 wurde das Konzentrationslager Dachau eröffnet.

Der Empfang, den die SS-Leute schon in den ersten Tagen der Haft in Dachau den Neuangekommenen bereiteten, war ein fester Bestandteil einer „Therapie“, die darauf zielte, die Persönlichkeit des Häftlings zu zerbrechen. Dieses Terrorinstrument wird das Modell und der Prototyp des Konzentrationsregimes, welches zum Ziel hatte, die deutsche Opposition und dann die internationale Opposition zum NS-Regime auszurotten.

Dachau ist das Symbol der Opposition und des Widerstandes gegen den Nazismus.

Dieses Lager war die „Schule der Gewalt“, das Modell für mehr als 1.650 Konzentrations- und Vernichtungslager, die vom NS-System errichtet wurden.

Wir kennen drei grundlegende Perioden:

von 1933 bis zum Krieg mit der Konsolidierung des NS-Regimes und der Verhaftung der politischen Gegner, um die politische Opposition zum NS-Regime zu brechen;

dann die Zunahme der Häftlingszahl aus den besetzten Gebieten und deren Internationalisierung mit den ersten militärischen Erfolgen NS-Deutschlands bis 1941;

und schließlich, mit der Wende des Kriegsverlaufs, die systematische physische Ausbeutung der Häftlinge in der deutschen Kriegswirtschaft.

Hier im Bunker wurden Häftlinge unsäglich gequält. Von Ärzten, die geschworen hatten, ihre Patienten zu behandeln und zu heilen und sie nicht als Versuchskaninchen auszunützen, wurden hier pseudo-medizinische Experimente vorgenommen.

Hier wurden 583 Homosexuelle interniert, die Malaria wurde an zahlreichen von ihnen  eingeimpft und manche wurden entmannt.

Hier wurden Galgen errichtet und Häftlinge gehängt.

Hier wurden 2.720 Geistliche aus zwanzig Nationen inhaftiert, wobei mehr als die Hälfte davon, 1.870 polnische Priester waren.

Hier in Hebertshausen wurden mehr als 7000 Russen und Ukrainer niedergeschossen.

Hier hat Himmler Lehren gezogen, um die systematische Deportation und Ausrottung des jüdischen Volkes und der Sinti und Roma durchzuführen.

Vergessen wir ja nicht den Völkermord an den Sinti und Roma, der auch ein wesentliches rassenpolitisches Ziel der Nationalsozialisten war, ein Völkermord, der lang und sogar heute noch vergessen wurde. Man muss daran erinnern, dass eine halbe Million Sinti und Roma Opfer dieser Rassenpolitik war, vor allem durch Massenerschießungen hinter der Front, durch Vergasungen, Zwangsarbeit und medizinische Experimente.

Hier in Dachau  - und insbesondere in den dutzenden Außenlagern um Mühldorf und Kaufering - wurden ab dem Sommer 1944 zu Dutzenden Tausenden Juden ausgerottet. Für sie wurde lediglich die Form der „Endlösung“ geändert. Statt eines schnellen Todes in den Gaskammern haben sie durch die völlige Ausbeutung ihrer Arbeitskraft und Energie zum Nutzen der deutschen Kriegsanstrengungen des NS-Regimes den Tod erleiden müssen.

Hier und in den Außenkommandos wurden Menschen auf unmenschliche und unverzeihliche Art entpersönlicht.


Warum sind wir hier heute?

Wir haben uns versammelt, um diejenigen zu ehren, die ermordet wurden, aber auch diejenigen, die überlebt, ihr Leben weitergeführt und „Nie wieder!“ beteuert haben. Ihr Leiden hat auf deren Familien gelastet. Sie haben Dachau verlassen, Dachau hat aber sie nie mehr verlassen.

Das führt uns zur Frage der Erinnerung. Wie kann man den nächsten Generationen diese Botschaft weitergeben? Besonders in einer Welt, wo Kriege und ethnische Verfolgungen andauern? Wie kann man sich in der Zukunft dieser Geschichte in allen Ehren annehmen?

Die ehemaligen Häftlinge haben ohne irgendwelche Unterscheidungskategorien gegen dieses barbarische System gekämpft. Alle haben Widerstand geleistet. Genau so wie sie in ihrem Kampf gegen dieses verbrecherische und barbarische System, das in Deutschland herrschte, sich zusammengeschlossen hatten, haben sie sich heute noch und immer zusammengeschossen. Bereits während ihrer Haft haben sie das Internationale Lagerkomitee in Dachau gegründet, bevor es 1958 offiziell wieder gegründet wurde.

Die Überlebenden, Deportierte aus 37 Ländern, aus verschiedenen ethnischen Gruppen und mit unterschiedlichen politischen, philosophischen oder religiösen Überzeugungen, haben sich mit ihrer internationalen Eigenschaft und in vollkommener Gleichheit zusammengeschlossen.

Sie vermachen uns eine Aufgabe: den nächsten Generationen vermittels der KZ-Gedenkstätte Dachau und internationaler Projekte, aber auch dank den bestehenden Verbindungen zwischen den nationalen Lagergemeinschaften ihre spezifische Geschichte zu vermitteln.

Diese unheilvolle Vergangenheit darf nie vergessen werden, die Fakten sind im Buch „Das war Dachau“ vom ehemaligen Häftling und Historiker Stanislav Zamecnik dargelegt. Wir sind ihm dafür dankbar, dass er dieses Standardwerk geschrieben hat. Das ist ein wertvolles Dokument, welches uns bei unserer Aufgabe hilft. Ich werde in ein paar Minuten das Vergnügen haben, offiziell an Herr Bundespräsidenten dieses Buch zu übergeben, bevor wir die Gedenkfeier fortsetzen.

Das CID hat in die Kraft der Demokratie in Europa und besonders in Deutschland volles Vertrauen.

Das CID hat Staatschefs und andere führende Persönlichkeiten eingeladen, sich dessen Ehrenkomitee anzuschließen. Das CID ist besonders geehrt, dass der Präsident des Europäischen Parlaments von 2007 bis 2009 Dr. Hans-Gert Pöttering, dass der Präsident der Republik Slowenien Herr Danilo Türk, und dass der ehemalige Präsident der Republik Kroatien Herr Stjepan Mesic auf diese Einladung bereits positiv geantwortet haben.

Das CID hofft, daß hohe Vertreter von Bayerischen und Bundeseinrichtungen auch unsere Einladung, Mitglied im Ehrenkomitee zu werden, annehmen werden.

Das CID begrüßt für ihre Mitarbeit an unserer Erinnerungsarbeit die deutschen Behörden und deren Mitbürger und ist ihnen dafür dankbar. Das ist ein günstiges Vorzeichen für die Fortsetzung unserer Kooperation.

Das CID ist vertrauend und dessen sicher, zusammenarbeiten zu können, um die Erinnerung  aufrechtzuerhalten und auf internationaler Ebene den Grundsatz: „Nie wieder!“ zu verbreiten.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.


Quelle:http://www.comiteinternationaldachau.com/index.php/13/46/rede_des_cid_pr%C3%A4sidenten_ra_pieter_j_ph_dietz_de_loos_2_mai_2010.html